"... weder schön noch typisch für die Zeit"
- Wie das Max-Planck-Denkmal nach Zeuthen kam

Heimatkalender Königswusterhausen 2001, S.130-135.

   
 
   
  Max Planck (1858-1947) zählt zu den bedeutendsten Physikern des 20. Jahrhunderts. Vor 100 Jahren, im Dezember 1900, machte er die revolutionäre Entdeckung, daß Energie nicht kontinuierlich, sondern nur in winzigen Energieportionen, den sogenannten Energiequanten ausgestrahlt wird. Die Plancksche Quantenhypothese war eine unerhört kühne und revolutionäre Annahme, widersprach sie doch der Grundüberzeugung der klassischen Physik, ja der bisherigen naturwissenschaftlichen Forschung überhaupt, wonach die Natur keine Sprünge macht. Plancks Energiequanten leiteten eine neue Epoche physikalischer Forschung ein, in der die Quantentheorie den Schlüssel für das Verständnis atomarer Prozesse lieferte. Im Zuge der Herausbildung der Quantenphysik durchdrang Plancks revolutionäre Idee alle Bereiche der modernen Naturwissenschaften und Technik, was nicht nur zu einem grundlegenden Umbruch unseres Weltbildes führte, sondern auch unseren Alltag nachhaltig beeinflusst hat, denn die Entwicklung von Transistoren und Lasern oder die Fortschritte der modernen Informationstechnik wären ohne die Quantentheorie undenkbar.

Max Plancks Schaffen war aufs engste mit Berlin verknüpft - fast sechs Jahrzehnte lebte und wirkte er in der Stadt, seit 1889 als Professor für Theoretische Physik an der Berliner Universität, der heutigen Humboldt-Universität. Darüber hinaus hat er auch an anderen wissenschaftlichen Institutionen der Stadt herausragend Verantwortung getragen - so als beständiger Sekretar der Preußischen Akademie der Wissenschaften (1912-1938), als Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (1930-1937) oder im Rahmen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft. Damit gehört Max Planck zweifelsohne zu den prominenten Gelehrtenpersönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dem bis heute große Anerkennung, ja Ehrfurcht entgegen gebracht wird und dessen Persönlichkeit schon bald nach seinem Tode - Planck starb fast neunzigjährig am 4. Oktober 1947 in Göttingen - eine fast mythische Verklärung erfuhr.

Insofern war es keineswegs zufällig, als unmittelbar nach seinem Tode Initiativen entstanden, die Persönlichkeit Plancks zu würdigen. Die Akademie der Wissenschaften, deren langjähriger Sekretar Planck zwischen 1912 und 1938 war und die sich nach 1945 zur zentralen Forschungseinrichtung der DDR profilierte, regte bereits in ihrer ersten Plenarsitzung nach dem Tode Plancks "die Errichtung eines Planck-Denkmals" an. Zur Verfolgung des Plans wurde eine Kommission unter Leitung des Akademiepräsidenten Johannes Stroux (1886-1954) eingesetzt, die im Januar dem Plenum der Akademie den Vorschlag unterbreitete, einen "geschlossenen Wettbewerb" zu veranstalten und fünf Bildhauer zur Teilnahme aufzufordern. Eingeladen wurden die Berliner Gerhard Marcks (1899-1981), Richard Scheibe (1879-1964), Gustav Seitz (1906-1969) und Bernhard Heiliger (1915-1995) sowie Theodor Georgii (1883-1963) aus München; nachdem G. Marcks seine Teilnahme abgesagt hatte, lud man noch den Münchener Bildhauer Hans Wimmer (1907-1992) ein.

Das Denkmal sollte auf dem Vorhof der Berliner Universität Aufstellung finden. Dies nicht nur, weil das Universitätsinstitut für theoretische Physik, im Westflügel des Hauptgebäudes gelegen, der zentrale Ort von Plancks wissenschaftlichem Schaffen gewesen war, sondern vor allem, um so den Vor- bzw. Ehrenhof der Universität wieder jenen Platz zuzuweisen, den er bis zur Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten gespielt hatte. Um die Jahrhundertwende hatten dort die Denkmäler von Hermann von Helmholtz (1821-1894), Theodor Mommsen (1817-1903) und Heinrich von Treitschke (1834-1896) Aufstellung gefunden, doch um den Vorhof besser als Aufmarschpaltz für politische Kundgebungen und andere Veranstaltungen nutzen zu können, waren 1935 die Denkmäler von den Nazis in angrenzende Seitenstraßen verbannt worden. Mit dem ausgelobten Planck-Denkmal wollte man den ursprüngliche Zustand des Vorhofs wieder herstellen und zugleich auch ein Symbol für den Neuanfang der Universität setzen. In diesem Sinne titelte auch der "Sonntag", Wochenzeitung des Kulturbundes, seinen Bericht über das geplante Denkmal: "Alte Universität im neuen Geist". Mit der Rückholung der verbannten Denkmäler an ihren angestammten Platz, würde Planck zudem - und auch dies gehörte wohl zum Kalkül der Denkmalinitiatoren - einen Platz an der Seite seines verehrten Lehrers und Vorgängers Hermann von Helmholtz finden und das Ensemble beider Denkmäler damit die große Tradition der Berliner Physik dokumentieren.

Nachdem die Akademiekommission im Frühjahr 1948 die Wettbewerbsbedingungen festgelegt hatte - danach forderte man von den Teilnehmern "eine zeichnerische Skizze, ein Tonmodell in 30-50 cm Größe, sowie eine Plastik des Kopfes in natürlicher Größe" und setzte als Preisgeld 10000 DM aus -, konnten schon im Juli anläßlich des alljährlichen Leibniztages der Akademie, der diesmal zugleich die offzielle Gedächtsnisfeier der Akademie für Max Planck war, die Entwürfe der akademischen Öffentlichkeit präsentiert werden. Eine 15köpfige Jury, die sich aus den Mitglieder der Planck-Kommission der Akademie, hochrangigen Repräsentanten der Berliner Universitäten und Hochschulen - darunter der Physiker Walter Friedrich von der Universität, der Architekt Hans Scharoun von der Technischen Universität, der Maler Karl Hofer von der Charlottenburger Hochschule für bildende Künste und Bontjes van Beek von der Hochschule für angewandte Kunst in Weissensee - sowie Vertretern des Ministeriums und des Kulturbundes zusammensetzte, entschied sich im Herbst für den Entwurf von Bernhard Heiliger. Diese Entscheidung war sicherlich eine Überraschung, da sie nicht nur auf den jüngsten, sondern bei weitem auch unbekanntesten Wettbewerbsteilnehmer fiel. Allerdings hatte dieser bereits mit einigen kleineren Privatausstellungen im zerstörten Nachkriegsberlin auf sein Talent aufmerksam gemacht und stand damit im Ruf, "eine der stärksten plastischen Begabungen der Zeit" zu sein.

Bernhard Heiliger wurde am 11. November 1915 in Stettin geboren und hatte nach einer Steinbildhauerlehre an der dortigen Werkschule für Gestaltende Arbeiten mit einer Ausbildung als Bildhauer begonnen. 1938 ging er nach Berlin, wo er durch Arno Breker (1900-1991) und Richard Scheibe die bestimmenden Impulse seiner bildhauerischen Ausbildung empfing; ein Studienaufenthalt 1938/39 in Paris machte ihn zudem mit den Vertretern der französischen Moderne (Ch. Despiau, A. Maillol) bekannt. 1941 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, doch erfährt sein Kriegseinsatz durch Zurückstellungen wiederholte Unterbrechungen, so dass er seine künstlerische Ausbildung vollenden kann. 1945 kehrt Heiliger aus britischer Kriegsgefangenschaft nach Berlin zurück und erhält 1946 einen Lehrauftrag an der Kunstschule des Nordens, der späteren Hochschule für angewandte Kunst Berlin-Weissensee. Im Herbst 1949 holt ihn der Maler Karl Hofer (1878-1955) an die Hochschule für bildende Künste nach Berlin-Charlottenburg, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1986 als Professor für Bildhauerei tätig war. Bernhard Heiliger starb am 25. Oktober 1995 in Berlin.

Bernhard Heiliger gehört zu den bedeutendsten Bildhauern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, der nach 1945 das internationale Ansehen der deutschen Bilderhauerkunst neu begründen half. Seine Porträtplastiken, die ihn zu Beginn der fünfziger Jahre über Insiderkreise hinaus bekannt gemacht hatten, gehören zu den herausragendsten Leistungen deutscher Porträtkunst im 20. Jahrhundert. Unter ihnen nimmt das Max Planck Denkmal einen zentralen Platz ein. Dies nicht nur deswegen, weil es den künstlerischen Durchbruch des jungen Bildhauers markiert, sondern auch weil es in seiner künstlerischen Gestaltung einen Markstein in der Entwicklung der Denkmal- und Porträtkunst darstellt; zudem deutet die Plastik mit ihrer starken Abstraktion manches schon im Vorgriff an, was eigentlich erst später im Heiligerschen Werk erscheint. Auch in anderer Beziehung war das Planck-Denkmal eine Pionierleistung, denn es war im Nachkriegsberlin - wie es in einer zeitgenössischen Zeitungsmeldung heißt - "das erste Denkmal, das im Auftrage des Magistrats von Berlin hergestellt wurde"; außerdem ist es die erste überlebensgroße Skulptur, die nach den Zeiten nationalsozialistischer Monumentalkunst in Deutschland aufgestellt und zudem in dieser Zeit großen Mangels in Bronze ausgeführt wurde.

Heiligers Planck-Denkmal gehört zu den wenigen Beispielen in seinem porträtplastischen Schaffen, bei dem die Plastik nicht in der direkten Auseinandersetzung mit dem Modell, sondern durch die postume Rekonstruktion der Persönlichkeit anhand von Bilddokumenten entstanden ist.
Heiliger realisierte seinen Entwurf im Winter 1948/49 - dies im Übrigen in engem Kontakt mit der akademischen Jury, die den Bildhauer wiederholt in seinem Atelier besuchte. In dieser Realisierungsphase entschied er sich auch aus künstlerischen Gründen das Denkmal nicht in Steinguß, sondern in Bronzeguss ausführen; in der damaligen Zeit gravierender Mangelwirtschaft keine triviale Angelegenheit und zudem mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Nachdem die Akademie diese bewilligt hatte, wurde das Denkmal schließlich im Juni 1949 in der Eisengiesserei Hermann Noack in Berlin-Friedenau gegossen.

Heiligers überlebensgroße Figur des greisen Gelehrten - das Denkmal ist etwa 2,50 m hoch - steht auf einem niedrigen Sockel, wobei die linke Hand der Skulptur sich auf ein angedeutetes Katheder stützt, das mit der Rechten umfaßt wird. Beide Hände bilden einen großen Bogen, der, als "Wölbung" interpretiert, das zentrale stilistische Element von Heiligers späteren Plastiken bereits andeutet bzw. vorwegnimmt. Mit diesem Bogen der Hände öffnet sich die Plastik zum Betrachter hin, treten beide gewissermaßen in einen Dialog - als ob der akademische Lehrer Planck mit seinen Studenten im Dialog stehen würde. Die gebückte Haltung weist nicht nur auf das hohe Alter des Gelehrten hin, sondern gibt der Statue zugleich eine Aura von Würde, Nachdenklichkeit und Bescheidenheit. Körper und Katheder sind das Ergebnis einer starken Reduktion, die weitgehend auf eine realistische Ausführung einzelner Details verzichtet und konsequent alles wegläßt, "was an einer bürgerlich gekleideten menschlichen Figur und an einem Antlitz bildhauerisch weggelassen werden kann, um sie noch als solche zu erkennen." Als ein "Höhepunkt der Verinnerlichung" versucht das Denkmal darzustellen, wie sich ein Geist von der Riesengröße eines Max Planck in der körperlichen Form seines sichtbaren Trägers manifestiert. Zur Durchgeistigung der Figur trägt zusätzlich der expressive Charakter des Kopfes mit seinem sanften Umriß und den knopfartigen Augen bei. Dieser gibt die Plancksche Physiognomie zwar typisierend wieder, doch verleiht er vor allem der Figur einen Ausdruck ausgeprägter Intellektualität und geistiger Spannung. "Der Geist dominiert und das Körperliche spielt keine Rolle mehr", wie Heiliger selbst in einem Zeitungsartikel aus dem Jahr 1949 festgestellte. Über die bildhauerische Lösung des Planck-Kopfes und insbesondere seiner "transparenten" Brillengläser führte Heiliger in einem Interview aus dem Jahre 1991 aus: "Der Kopf mit der Brille, so wie ich das damals gelöst habe, war völlig neu: eine Brille so zu machen, daß die Scheibe oben vorsteht, mit einem Punkte drin."

Im übrigen wollte Heiliger sein Denkmal als eine "überzeitliche Abstraktion" verstanden wissen, bei dem es ihm - wie er in einem Zeitungsbeitrag aus dem Jahre 1949 ausführte - in erster Linie darum ging, "die Erscheinungsform in der Natur mit der Kunstform zu vereinigen. Dies ist keine Formenspielerei abstrakter Kunst, sondern eine Synthese zwischen Natur, Form und Kunstform. Eine gehaltvolle, keine ästhetische Form entscheidet. Eine Skulptur ist nicht Abbild, sondern ausstrahlendes Sinnbild. Wir alle müssen wesentlich werden und neue Symbole für eine neue Zeit ersinnen." Auch wenn im Vorspann zu diesen Ausführungen Heiligers noch davon gesprochen wurde, daß sich "der Ausbau der Humboldt-Universität im Gedanken einer neuen Universitas in der jetzt in Angriff genommenen Aufstellung eines Max Planck-Denkmals" symbolisiert, waren Heiligers "neue Symbole" in der "neuen Zeit" zunächst alles andere als willkommen, denn zur Aufstellung des Denkmals vor der Universität kam es schließlich doch nicht.

Dabei schien noch zum Jahreswechsel 1949/50 alles bestens vorbereitet. Vor dem Westflügel der Universität war im Vorhof bereits der Denkmalssockel montiert, über dessen Inschrift man sich nach einigen Diskussionen kurz vor Weihnachten geeignet hatte - danach sollte auf der Vorderfront nur der Name "Max Planck" stehen, wogegen die Rückseite die Inschrift zierte: "Dem Erneuerer der theoretischen Physik / Dem Begründer der Quantentehorie / Dem Wegbereiter der neuen Atomlehre / Errichtet von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin / Im Verein mit der Humboldt-Universität". Als Termin für die Zeremonie der Enthüllung hatte man bereits den 19. Januar 1950, 12 Uhr verbindlich festgesetzt und auch die Einladungen waren schon verschickt worden. Wie man einem Brief des Akademiepräsidenten an den Planck Sohn Hermann vom 12. Januar entnehmen kann, war eine kleine Feier geplant, auf der in kurzen Ansprachen der Präsident der Akademie sowie der Rektor der Universität, eventuell auch ein Vertreter der Studentenschaft, Leben und Werk Plancks würdigen sollten. Umso erstaunter ist man, wenn wenige Tage später in einem Rundschreiben desselben Präsidenten lakonisch mitgeteilt wird: "Die von der Deutschen Akademie der Wissenschaft zu Berlin und der Humboldt-Universität vorgesehene Enthüllung des Denkmals für Max Planck wird verschoben, da sich wegen des in Aussicht genommenen Aufstellungsortes und des Zeitpunktes neue Gesichtspunkte ergeben haben."

Über die Gründe bzw. die "neuen Gesichtspunkte", die zur überraschenden Absage führten, lassen sich gegenwärtig nur begründete Mutmaßungen anstellen, da die Quellenlage zu diesen Vorgang äußerst dürftig ist. In einem Brief des Akademiepräsidenten an den wohl prominentesten Planckschüler Max von Laue (1879-1960) vom 20. Januar 1950 liest man, daß "technisch alles zur Einweihung bereit (war), aber es gab Schwierigkeiten mit dem für die Aufstellung des Denkmals vorgesehenen Platze, dem Vorhof der Humboldt-Universität, Unter den Linden. Es ist, wie ich gerade Ihnen gegenüber betonen möchte, dabei nicht der leiseste Missklang in der pfleglichen Verehrung des Andenkens an Planck vernehmbar gewesen. Aber der Rektor der Universität, Professor Friedrich, auch selbst ein Schüler und großer Verehrer Plancks, hatte doch gewisse Einwände gegen die geplante Aufstellung. Diese führten zu einer Beratung in dem Denkmalausschuss und zur Verschiebung der Einweihung." Eine Mitteilung des Rektors der Universität ist da schon etwas deutlicher und nennt als Grund, daß das Denkmal nicht seinen Platz vor der Humboldt-Universität finden wird, "da es in keiner Weise geeignet ist, die große Bedeutung von Max Planck für die Humboldt-Universität und darüber hinaus für die gesamte Wissenschaft zu repräsentieren." Drei Jahre später führte derselbe Walter Friedrich (1885-1972) in einem Leserbrief an die "Physikalische Blätter" - in denen damals eine sehr polemische Diskussion über das Denkmal geführt wurde - weiter aus, daß "nach Ansicht sachverständiger Wissenschaftler und nochmaliger Begutachtung das Denkmal nach seiner Fertigstellung in Bronze der Persönlichkeit des großen Gelehrten doch nicht gerecht wurde und das klassizistische Gepräge der Humboldt-Universität nicht als der geeignete Hintergrund für das Denkmal des Herrn Professor Heiliger erschien." Angesichts der Tatsache, daß die Einweihung so kurzfristig abgesagt wurde und die Realisierung des Denkmals ja in relativ engem Kontakt mit der akademischen Jury geschehen war, sind die von Friedrich angeführten ästhetischen Gesichtspunkte wahrscheinlich nicht die alleinigen und eventuell nicht einmal die ausschlagebenden Gründe für den Eklat gewesen. Obwohl Heiligers Denkmal ohne Zweifel quer zum zeitgenössichen Kunstgeschmack stand und manch Physiker darin nicht den "verehrungswürdigen" Lehrer und Gelehrten, sondern ein "Gespenst im Nachthemd" wiedererkennen wollte, muß Heiligers Denkmal wohl auch als ein frühes Opfer des Kalten Kriegs sowie der damals in der DDR geführten Formalismusdebatte angesehen werden. Ersterer hatte damals nach Berlin Blockade und der Gründung zweier deutscher Separatstaaten seinen ersten Höhepunkt erreicht. In dieser politisch aufgeheizten Atmosphäre könnte Heiligers im Herbst 1949 vollzogener Wechsel von der Kunsthochschule Weissensee zu der in Charlottenburg, d.h. in den Westen, in Teilen der Kulturverwaltung als ein Affront gewertet worden sein - zumal sich gerade in dieser Zeit die Etablierung eines stalinistisch geprägten kulturpolitischen Funktionärapparates vollzog und zunehmend orthodoxe SED-Funktionäre in kulturpolitische Schlüsselstellungen einzogen, denen das Denkmal eines "betont reaktionären und formalistischen" Bildhauers - so Heiligers Charakteristik in einem Bericht der SED-Landesleitung vom April 1951 - an einem so prominenten Ort vielleicht ein Dorn im Auge gewesen sein könnte. Hinzu kam, daß Heiligers Denkmal nicht nur allgemein dem Zeitgeschmack, sondern vor allem den ästhetischen Prinzipien der "neuen Zeit" widersprach, wurden doch parallell zur Installation eines SED-Funktionärsapparates in den Kulturverwaltungen auch wichtige kulturpolitische Weichenstellungen im Sinne des sogenannten sozialistischen Realismus vorangetrieben. Seinen sichtbaren Ausdruck fand dieser Umschwung in der sogenannten ersten Formalismusdebatte der Jahre 1949/50 mit ihren Diskussionen um den Realismusbegriff. Diese leitet die quasi parteioffizielle Verfemung aller "sinnentleerter Spielereien" mit Formelementen und Gestaltungsmitteln ein und denunzierte namentlich die abstrakte Kunst als "bürgerlich" und "dekadent". Insofern war auch das Planck-Denkmal mit seinen abstrakten und "formalistischen" Elementen - wie Heiliger es einmal rückblickend selbst ausgedrückt hatte - "weder schön noch typisch für die Zeit" und kann als ein Opfer dieser kulturpolitischen Debatten betrachtet werden.

Es scheint so keineswegs zufällig, daß der zunächst noch in Aussicht genommene Plan, die feierliche Enthüllung des Denkmals im Rahmen der anstehenden Jubiläumsfeiern zur 250jährigen Gründung der Akademie zu vollziehen, schließlich auch stillschweigend fallen gelassen wurde. Stattdessen verbannte man das Denkmal, das vorübergehend einen Standort im Foyer des neubezogenen Akademiegebäude am Gendarmenmarkt gefunden hatte, im Sommer 1950 an den südöstlichen Stadtrand von Berlin, in den Vorgarten des Gästehauses der Akademie in Zeuthen. Hier stand es weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit und verschwand selbst - wenn man den Erinnerungen Heiligers aus dem Jahre 1991 glauben darf - aus der Erinnerung des Künstlers; zumal es seit 1952 einen gegen den Widerstand der Akademie vom Künstler selbst durchgesetzten und vom Kölner Museum Ludwig in Auftrag gegebenen Zweitguß gab. Allerdings verschwand auch dieser für mehr als ein Jahrzehnt im Kölner Museumsdepot und wurde erst Mitte der sechziger Jahre - übrigens auch wieder mit Schwierigkeiten und sehr emotional geführten Diskussionen - der Öffentlichkeit zugänglich und vor dem Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln-Müngersdorf aufgestellt.

Der Erstguß des Denkmal ist im übrigen im Frühjahr 1973 noch einmal umgesetzt worden. Auf Initiative kunstsinniger Physiker des Akademieinstituts für Hochenergiephysik, dem heutigen DESY-Zeuthen, wurde es vom Gästehaus der Akademie in der Seestraße ins wenige hundert Meter entfernte Institut in der Platanenallee verbracht. Damit hat dieses außergewöhnliche Denkmal - wie es in einem Brief der Zeuthener Physiker heißt - " erstmalig seit der Fertigstellung im Jahre 1949 eine dem Andenken von Max Planck würdige Aufstellung" und als "ein inzwischen fester Bestandteil des Instituts" wohl seinen endgültigen Standort gefunden.

dieter hoffmann, 20.08.01

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